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Allgemein

Psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­ten: LSG Hes­sen bestä­tigt enge Gren­zen der Zuläs­sig­keit der Ver­tre­tung bei geneh­mi­gungs­pflich­ti­gen Leistungen

By 3. September 2026No Comments

Das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat mit Urteil vom 15. April 2026 (Az. L 4 KA 12/23) die Gren­zen der Ver­tre­tung bei psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Leis­tun­gen kon­kre­ti­siert. Im Mit­tel­punkt stand die Fra­ge, ob eine Psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­tin wäh­rend einer Über­gangs­pha­se zwi­schen dem Aus­schei­den einer ange­stell­ten The­ra­peu­tin und der Anstel­lung einer Nach­fol­ge­rin auch geneh­mi­gungs­pflich­ti­ge psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Leis­tun­gen erbrin­gen darf.

Grund­satz: Kei­ne Ver­tre­tung bei geneh­mi­gungs­pflich­ti­ger Psychotherapie

Nach Auf­fas­sung des Gerichts ist die Ver­tre­tung bei geneh­mi­gungs­pflich­ti­gen psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Leis­tun­gen ein­schließ­lich pro­ba­to­ri­scher Sit­zun­gen grund­sätz­lich unzu­läs­sig. Als „geneh­mi­gungs­pflich­ti­ge psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Leis­tun­gen“ gel­ten dabei die antrags­pflich­ti­gen Leis­tun­gen nach Kapi­tel 35 des EBM.

Das Gericht stützt die­se Ein­schrän­kung ins­be­son­de­re auf den Grund­satz der per­sön­li­chen Leis­tungs­er­brin­gung, die höchst­per­sön­li­che Natur der Psy­cho­the­ra­pie und das beson­de­re Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen The­ra­peut und Pati­ent. § 14 Abs. 3 BMV‑Ä hat nach Ansicht des Senats inso­weit ledig­lich dekla­ra­to­ri­sche Bedeutung.

Aus­nah­men sind mög­lich – aber nur in engen Grenzen

Der Begriff „grund­sätz­lich“ bedeu­tet nach dem Urteil, dass Aus­nah­men nicht voll­stän­dig aus­ge­schlos­sen sind. Die­se müs­sen sich jedoch an der not­wen­di­gen Behand­lungs­kon­ti­nui­tät und am beson­de­ren Ver­trau­ens­ver­hält­nis in der Psy­cho­the­ra­pie orientieren.

Eine blo­ße orga­ni­sa­to­ri­sche Über­brü­ckung zwi­schen dem Aus­schei­den eines The­ra­peu­ten und der spä­te­ren Anstel­lung eines Nach­fol­gers reicht dafür aller­dings nicht aus. Auch wenn dadurch ein naht­lo­ser Über­gang für Pati­en­ten erreicht wer­den soll, begrün­det dies nach Ansicht des Gerichts kei­ne Aus­nah­me vom Vertretungsverbot.

Anders könn­te die Situa­ti­on bei­spiels­wei­se bei einer län­ger dau­ern­den Ver­tre­tung zu beur­tei­len sein, wenn abseh­bar ist, dass der Ver­tre­ter eine begon­ne­ne The­ra­pie inner­halb des Ver­tre­tungs­zeit­raums selbst abschließt.

Nicht geneh­mi­gungs­pflich­ti­ge Leis­tun­gen blei­ben vertretungsfähig

Von der Ein­schrän­kung aus­ge­nom­men sind Leis­tun­gen, für deren Erbrin­gung kei­ne ent­spre­chen­de Geneh­mi­gung erfor­der­lich ist. Die­se kön­nen im Rah­men einer zuläs­si­gen Ver­tre­tung wei­ter­hin erbracht werden.

Bedeu­tung für MVZ und psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Praxen

Die Ent­schei­dung ist ins­be­son­de­re für MVZ und Pra­xen rele­vant, in denen es auf­grund von Kün­di­gun­gen oder Per­so­nal­wech­seln zu vor­über­ge­hen­den Vakan­zen kommt. Eine sol­che Vakanz kann nicht ohne Wei­te­res durch den bereits vor­ge­se­he­nen Nach­fol­ger im Wege einer Ver­tre­tung über­brückt wer­den, wenn dabei geneh­mi­gungs­pflich­ti­ge psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Leis­tun­gen erbracht wer­den sollen.

Das Hes­si­sche Lan­des­so­zi­al­ge­richt hat die Revi­si­on wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung zuge­las­sen. Hin­ter­grund ist unter ande­rem die bun­des­weit unter­schied­li­che Hand­ha­bung der Ver­tre­tungs­re­ge­lun­gen durch die Kas­sen­ärzt­li­chen Vereinigungen.