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Allgemein

Zur Bewer­ber­aus­wahl im Nach­be­set­zungs­ver­fah­ren von Psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten — Muss die Pra­xis­nach­fol­ge­rin das glei­che Richt­li­ni­en­ver­fah­ren aus­üben wie die Praxisabgeberin?

By 27. Februar 2026No Comments

Das Sozi­al­ge­richt (SG) Mar­burg hat mit Beschluss vom 11.12.2023 zur Ermes­sens­aus­wahl im Nach­be­set­zungs­ver­fah­ren gemäß § 103 Abs. 4 SGB V bei Psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten bzw. Kin­der- und Jugend­psy­cho­the­ra­peu­ten ent­schie­den, dass das prak­ti­zier­te Richt­li­ni­en­ver­fah­ren ein zuläs­si­ges Bewer­tungs­kri­te­ri­um im Rah­men der Aus­wahl­ent­schei­dung sein kann.

Der Zulas­sungs­aus­schuss hat­te über die Nach­be­set­zung eines hälf­ti­gen Ver­trags­psy­cho­the­ra­peu­ten­sit­zes einer Kin­der- und Jugend­li­chen­py­cho­the­ra­peu­tin (Richt­li­ni­en­ver­fah­ren tie­fen­psy­cho­lo­gisch fun­dier­te Psy­cho­the­ra­pie) zu entscheiden.

Für den Zulas­sungs­aus­schuss spiel­te neben der Bereit­schaft der aus­ge­wähl­ten Bewer­be­rin, die Pra­xis der Abge­be­rin am bis­he­ri­gen Pra­xis­sitz fort­zu­set­zen, ins­be­son­de­re die Tat­sa­che eine wich­ti­ge Rol­le, dass sie das glei­che Richt­li­ni­en­ver­fah­ren aus­übt wie die Pra­xis­ab­ge­be­rin. Dadurch sei die Kon­ti­nui­tät der Ver­sor­gung der Pati­en­ten gewährleistet.

Das Sozi­al­ge­richt hat im Einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren bzgl. des Antra­ges auf Anord­nung der sofor­ti­gen Voll­zie­hung der Zulas­sungs­ent­schei­dung aus­ge­führt, dass nicht allein der Sta­tus als appro­bier­te Kin­der- und Jugend­li­chen-Psy­cho­the­ra­peu­tin maß­geb­lich sei, son­dern bei der Aus­wahl­ent­schei­dung eine Dif­fe­ren­zie­rung nach The­ra­pie­rich­tun­gen im Sin­ne der Ver­sor­gungs­kon­ti­nui­tät berück­sich­tigt wer­den könne.

Psy­cho­the­ra­peu­ten kön­nen kei­ne The­ra­pie­leis­tun­gen in ande­ren Richt­li­ni­en­ver­fah­ren, für die sie nicht zuge­las­sen sind, erbrin­gen. Bei der Bedarfs­pla­nung sei zwar nur der Sta­tus als Psy­cho­lo­gi­scher berück­sich­tigt, eine Bepla­nung nach The­ra­pie­rich­tun­gen fin­de nicht statt. Nach der Rechts­auf­fas­sung des SG Mar­burg bedeu­te dies jedoch im Umkehr­schluss nicht, dass für eine Aus­wahl­ent­schei­dung im Nach­be­set­zungs­ver­fah­ren nicht der Ver­sor­gungs­kon­ti­nui­tät inso­weit Rech­nung getra­gen wer­den dür­fe, dass die Iden­ti­tät des Richt­li­ni­en­ver­fah­rens bei Abge­be­rin und Nach­fol­ge­rin ein gewich­ti­ges Argu­ment für die beruf­li­che Eig­nung und damit für die Nach­be­set­zungs­ent­schei­dung sein könne.

Im Rah­men der gebo­te­nen Gesamt­ab­wä­gung erschei­ne nach sum­ma­ri­scher Prü­fung im Hin­blick auf den nicht gra­vie­ren­den Unter­schied bei War­te­zeit, Appro­ba­ti­ons­al­ter und Berufs­er­fah­rung die vom Zulas­sungs­aus­schuss vor­ge­nom­me­ne Abwä­gung nicht als ermessensfehlerhaft.

(Sozi­al­ge­richt Mar­burg, Beschluss vom 11.12.2023 – S 17 KA 306/23 ER)